Lehrkräfte und ADS-Schüler – 2 Welten treffen aufeinander


 

Hinweis: Wenn ich hier von Lehrkräften spreche, dann meine ich damit Lehrer und Lehrerinnen. Das gleiche gilt für den Begriff Schüler.

Zunächst stellt sich die Frage, was einen ADS-Schüler von anderen Schülern unterscheidet. Ergänzend zu einem früheren Beitrag zum Thema ADS seien hier weitere ADS-Symptome genannt als da wären:

  • kann sich vieles nicht lange merken
  • diskutiert gerne
  • keine / geringe Steuerung / Kontrolle in ihren Reaktionen / Äußerungen
  • nimmt manches wörtlich

2 Welten..auf der einen Seite die Schüler mit der ADS-Problematik, auf der anderen Seite die Lehrkräfte, die es, dass muss einfach gesagt werden, auch nicht immer leicht haben. Vergessen werden darf auch nicht, dass wir alle nicht immer / ständig an alles denken können.   Doch manchmal kann man nur den Kopf schütteln.

Es gibt Problemsituationen in der Schule, die wirken im nach herein „hausgemacht“.

Folgende Situation:   Ein ADS-Schüler hat sich hinter ein im Klassenzimmer befindliches Regal gesetzt, weil er sich durch das Getuschel der Mitschüler im Unterricht abgelenkt und in seiner Konzentration gestört fühlt. Über das Regal kann er hinwegsehen, sein Arbeitsmaterial hat er bei sich. Die Lehrkraft möchte aber, dass sich dieser Schüler wieder an seinen vorigen Platz setzt, da sie dann sehen kann, ob er mitarbeitet. Sie fordert den Schüler also auf sich so hinzusetzen, dass sie ihn sehen kann. Das irritiert den ADS-Schüler, denn wenn er die Lehrkraft sehen kann, muss sie ihn ja auch sehen können. Letztendlich wiederholt die Lehrkraft ihre Aufforderung noch einige Male mit immer den gleichen Worten. Es kommt schließlich so weit, dass der Schüler seine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle hat (auch bedingt durch Zwischenrufe zweier Mitschülerinnen) und die Situation verbal eskaliert.                                                             Da fragt man sich, vorausgesetzt die Lehrkraft weiß das der Schüler ADS hat, warum die Lehrkraft ihre Forderung nicht direkter formulierte, z.B. „setz dich bitte an einen Tisch und nicht hinter das Regal. So kann ich sehen, ob du mitarbeitest“. Weiß die Lehrkraft allerdings nichts von dem ADS, dann ist diese Tatsache ein Hinweis darauf, dass der Informationsaustausch zwischen den Lehrkräften nicht funktioniert. Denn wenn man als Eltern die Lehrkraft informiert, dass das Kind ADS hat, dann sollte man davon ausgehen können, dass diese die Information an die Kollegen weiterleitet. Manche ADS-Schüler nehmen Aufforderungen wörtlich (weiß der Teufel warum), wenn Lehrkräfte dann aber ihre Aufforderung nicht umformulieren oder den ADS-Schüler direkt ansprechen (und nicht durch den ganzen Klassenraum), dann kann es zu einer Problemsituation kommen wie ich sie eben beschrieben habe.

Wie oben bereits aufgelistet können ADS-Schüler ihre Gefühle / Reaktionen ab einem bestimmten Punkt nicht immer, bzw. gar nicht mehr selbst steuern / kontrollieren. Kommt dann noch die Diskutierfreude hinzu, dann ist meist eine Problemsituation vorprogrammiert. So kann es dann passieren, dass der ADS-Schüler die Lehrkraft mit „nicht-feinen“ Ausdrücken betitelt. Das niemand sich eine Beleidigung gefallen lassen muss brauche ich wohl nicht erwähnen. Wenn es dann doch passiert ist, dann sollte gründlich geprüft werden, wie es dazu kam und nicht nur gehandelt werden nach dem Motto „der hat was gemacht, dafür bekommt er eine strafe“ und das war es dann, Sache erledigt. Wenn die zweite Strafe dann noch viele Wochen nach dem Vorfall erfolgen soll, dann kann man nur noch den Kopf schütteln und sich fragen, wo da der Sinn ist. Zumal eine doppelte Bestrafung sicher nicht rechtens ist.

Lehrkräfte erwarten von den Schülern Respekt, wogegen im Prinzip nichts einzuwenden ist. Das setzt aber voraus, das die Lehrkraft auch die Schüler respektieren und haben wir nicht gelernt „Respekt muss man sich verdienen“ ? Manche Lehrkräfte scheinen dieses vergessen zu haben, genauso wie die Tatsache, dass sie gegenüber den Schülern eine „Vorbildfunktion“ haben.

Sehr oft haben ADS-Schüler aber nicht nur mit dem ADS zu tun, sondern gleichzeitig auch mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Rechenschwäche (Dyskalkulie). Wenn also ein Schüler über längeren Zeitraum nur schlechte Noten in den Matheklassenarbeiten schreibt, obwohl er vorher lernt, und dann eine Lehrkraft nicht mal auf den Gedanken kommt die Eltern entsprechend zu informieren, dass hinter den schlechten Noten „mehr“ als nur ein „nicht genug gelernt“ steckt, dann ist dieses mehr als unverständlich und ein Schlag ins Gesicht des Schülers und seiner Eltern. Nicht nur das das ganze bedrückend für den Schüler ist. Schlimmer wird es, wenn aufgrund einer entsprechenden Testung dann Dyskalkulie als Ergebnis feststeht, dieses der Lehrkraft mitgeteilt wird und diese in einem späteren Gespräch sich derart äußert, das sie und eine weitere Lehrkraft der Meinung sind, der Schüler hätte keine Dyskalkulie, er müsse nur mehr lernen. Da fragt man sich, wie diese Lehrkraft dieses beurteilen will, zumal wenn das Jugendamt dem Schüler auf Anhieb den Höchstsatz für eine Mathe-Lerntherapie zugestanden / bewilligt hat.

Sinnvoll ist es, und für beide Seiten einfacher, wenn Lehrkräfte und Eltern zusammenarbeiten, indem sie sich zwischendurch austauschen. Bemerkt die Lehrkraft, dass der Schüler sich  z.B. gestern und heute nicht auf den unterricht konzentriert und / oder diesen stört, dann ist es angebracht, die Eltern zu informieren. Diese können aber nur dann Einfluss auf das Verhalten des Kindes in der Schule nehmen, wenn sie von den Lehrkräften rechtzeitig informiert werden, dass etwas nicht rundläuft. Genauso wichtig ist aber auch, dass der Schüler gelobt wird, z.B. wenn er in Mathe zwei Aufgaben gelöst hat, wo er zu einem früheren Zeitpunkt nichts gerechnet hätte. Auch ein Lob könnte z.B. ins Hausaufgabenheft notiert werden, es müssen ja keine langen Sätze geschrieben werden, ein „gut gemacht“ mit Smilie würde beispielsweise reichen.

Vielerorts kommt es auf Schulhöfen zu Auseinandersetzungen zwischen Schülern, häufig mit unverhältnismäßigen Reaktionen und respektlosen Äußerungen mancher Schüler. Aufgrund dieses Hintergrundes halte ich es für sinnvoll, das Thema Respekt im Unterricht zu behandeln, idealerweise in jedem Schuljahr. Wenn Lehrkräfte zumindest ein wenig Grundwissen von ADS hätten, gäbe es weniger „Probleme“ in der Schule / im Unterricht und vieles wäre entspannter.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s